| Vers |
- stammt vom lat. versus: Zeile, Linie; Wendung, Umkehr
- Bezeichnung für die einzelne Zeile eines Gedichtes
- wird durch entsprechendes Metrum charakterisiert
- äußerliches Merkmal: Zeilenbrechung
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| Metrum |
- Grundmuster der Betonung der Silben
- Silben sind entweder betont oder unbetont
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| Hebung |
- Betonung einer Silbe
- Symbolik: X
- es gibt zwei-, drei-, vier-, fünf-, sechs- und mehrhebige Verse
Beispiel für einen dreihebigen Vers:
Komm, lieber Mai, und mache
x X x X x X x
Die Bäume wieder grün
x X x X x X
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| Senkung |
- Silbe, die nicht betont wird
- Symbolik: x
Beispiel:
Ich sehe oft um Mitternacht (M. Claudius)
x X x X x X x X
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| Antike Metrik |
Die Antike Metrik unterschied nicht zwischen betonten und unbetonten Silben, sondern zwischen langen (U) und kurzen (-) Silben.
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| Versanfang |
- Verse können mit einer Hebung beginnen (auftaktlos), also mit betonter Silbe: "Díe mit díesen bráunen Lócken" (Goethe)
- Verse können auch mit einer Senkung beginnen (auftaktisch), also unbetont: "In éinen Tál bei ármen Hírten" (Schiller)
- die meisten deutschen Verse beginnen unbetont
- wird ein betont beginnender Vers versehentlich unbetont gesprochen, so kann es zu Widersprüchen zur natürlichen Betonung kommen
- deutsche Gesprächsrede beginnt meist mit unbetonten Silben (Artikel, Konjunktionen, Präpositionen, Pronomen)
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| Auftakt |
- Begriffsbezeichnung kommt aus der Musik
- den der ersten Hebung im Vers vorausgehende Versteil, soweit vorhanden, wird als Auftakt bezeichnet
- es gibt auftaktlose Verse und Verse mit Auftakt
- jambische und anapästische Verse sind auftaktisch, trochäische und daktylische auftaktlos
- überwiegend besteht Auftakt aus einer unbetonten Silbe, seltener aus zwei Silben: "Einen góldenen Bécher gáb" (Goethe)
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| Versfuß |
- Bezeichnung kommt aus dem Griechischen
- der Versfuß ist die kleinste metrische Einheit
- regelmäßige Abfolge von betonten und unbetonten Silben
- besteht nicht nur aus Einzelwörtern, kann auch aus mehreren Wörtern oder Einzelsilben aufeinanderfolgender Wörter zusammengesetzt sein
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| Jambus |
- auch als Steiger bekannt
- Verse, die mit einem Auftakt, also mit einer Senkung beginnen
- ein jambischer Vers ist ein alternierender Vers mit Auftakt
- bevorzugter Versfuß im Deutschen
- für erzählende und betrachtende Gedichte geeignet
- Ausdruck kann spruchhaft, eindringlich, auch beschwörend sein
- können Empfindungen Ausdruck geben, z.B. Beglückung:
Komm, lieber Mai, und mache
x x´ x x´ x x´ x
Die Bäume wieder grün
x x´ x x´ x x´
jambische Verse können eine gewisse Dynamik schaffen und steigen von einer Senkung zur Hebung auf:
Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht. (Goethe)
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| Trochäus |
- auch als Faller bekannt, da man ihn einen fallenden Rhythmus zuschreibt
- Begriff stammt aus dem Griechischen = Läufer bzw. von Choreus (=Tänzer)
- Versfuß mir regelmäßigem Wechsel von Hebung und Senkung, der mit einer Hebung und ohne Auftakt beginnt
- Beispiel: Kúgel (x´ x)
- ein trochäischer Vers ist ein alternierender Vers ohne Auftakt
- weniger zahlreich in deutscher Sprache
- kann frisch klingen, schlicht und innig
"Sah ein Knab ein Röslein stehn" (Goethe)
x´ x x´ x x´ x x´
trochäische Verse können dagegen eine gewisse Ruhe schaffen und fallen von einer Hebung zur Senkung ab:
Müde bin ich, geh zur Ruh',
Schließe beide Augen zu. (Hensel)
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| Spondeus |
- griech. sponde = Trankopfer
- erste Verwendung in Opferliedern
- zwei gleichstarke Hebungen unmittelbar hintereinander
- im Deutschen kaum realisierbar, da fast unvermeidlich eine der beiden Silben stärker betont wird
- Beispiel: Vóllmónd (x´ x´)
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| Daktylus |
- griech. = Finger; gemeint ist Dreigliedrigkeit beim Finger
- auch als Doppelfaller bekannt
- einer Hebung folgen zwei Senkungen
- Beispiel: Dáktylus (x´ x x)
Nimmer, das glaubt mir, erscheinen die Götter, (Schiller)
x´ x x x´ x x x´ x x x´ x
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| Anapäst |
- auch als Doppelsteiger bekannt
- zwei Senkungen folgt eine Hebung
- Beispiel: Anapäst (x x x´)
- in griechischer Dichtung häufiger verwendet, als in deutscher Dichtung
- dortige Verwendung in Marsch-, Schlacht- und Prozessionsliedern
Und es wallet und siedet und brauset und zischt, (Schiller)
x x x´ x x x´ x x x´ x x x´
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| Amphibrachys |
Es fürchte die Götter, (Goethe)
x x´ x x x´ x
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| Kretikus |
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