Reime und Reimformen
1. Endreim
- Gleichklang zweier oder mehrerer Verse vom jeweils letzten betonten Vokal des Verses an
- weibliche Reime (Beispiel: Flügel / Hügel) stimmen in Vokal der letzten betonten Silbe und in der folgenden Endsilbe überein
- männliche Reime (Beispiel: gedacht / die Nacht) stimmen nur im Vokal und in der folgenden Konsonanz der letzten betonten Silbe überein
1.1. Eingangsreim/ Anfangsreim
- Reim der Anfangswörter aufeinanderfolgender Verse
- z.B. Ein Laub, das grünt und fällt geschwind. /
Ein Staub, den leicht vertreibt der Wind.
1.2. Binnenreim
- Wörter reimen sich innerhalb eines Verses
- z.B. Wiegt und biegt sich in des Windes Hauch
1.2.1. Schlagreim
- zwei gleichklingende Wörter folgen innerhalb eines Verses unmittelbar aufeinander
- z.B. als ob es tausend Stäbe gäbe
1.2.2. Mittenreim
- Versende reimt sich mit einem Wort aus dem inneren eines vorausgehenden oder nachfolgenden Verses
1.2.3. Mittelreim
- zwei Wörter aus dem Inneren aufeinanderfolgender Verse reimen sich
1.2.4. Inreim
- ein Versende und ein Wort aus dem selben Vers reimen sich
- z.B. und handelst wohl so, wie ein andrer handelt
1.2.5. Zäsurreim
- Reimbindung des durch Zäsur entstandenen ersten Versabschnitts mit dem Versende
- Reim zwischen Wörtern vor Zäsur eines Verses oder zweier Verse
- z.B. Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
von helden lobebæren, von grôzer arebeit
1.2.6. Pausenreim
- Reimwort steht nach reimloser Zeile am Anfang der nächsten Zeile
- reimtragende Zeile erscheint deshalb reimlos und erweckt den Eindruck der Pause
- z.B. Heute bin ich heiter /
morgen geh ich /
weiter ist der Weg geplant,
das hat sich angebahnt.
1.2.7. Schüttelreim
- anlautende Konsonanten der reimenden Silben werden vertauscht
- Rechtschreibung spielt keine Rolle, nur Lautung
- z.B. Als wach mich hat der Sonne Schein gerüttelt,
Frag ich mich bang: hab ich auch rein geschüttelt?
1.3. Ausgangsreim
- verknüpft in verschiedenen Kombinationen Verse mit Versen zu Strophen oder Gedichten
- Reim der jeweils letzten Wörter in benachbarten Versen
1.3.1. Paarreim
- zwei aufeinanderfolgende Verse werden miteinander verknüpft
- Schema: aabbcc...
1.3.2. Kreuzreim
- Reim folgt erst in der übernächsten Zeile
- ein Reim überschneidet sich also mit den anderen
- Schema: abab cdcd ...
1.3.3. umarmender Reim
- ein Reim umschließt einen anderen
- Schema: abba cddc ...
1.3.4. Haufenreim
- es folgen mehr als zwei Reimverse aufeinander
- Schema: aaa...bbb...ccc...
1.3.5. Schweifreim
- Verbindung von Paar und umarmenden Reim oder Unterbrechung zweier Paarreime durch einen dritten
- Schema: aabccb
1.3.6. verschränkter Reim
- Reimstellung dreier voneinander durchkreuzter Reime
- Schema: abc abc oder abc bac
1.3.7. Assonanz
- Gleichklang der betonten Vokale, aber keine Konsonantenübereinstimmung
- z.B. Himmel - Stille
1.3.8. Konsonanz
- gleicher Auslaut
- z.B. mich án / ich kánn
2. Alliteration und Stabreim
2.1. Alliteration
- Übereinstimmung der anlautenden Konsonanten betonter Silben
- z.B. gut / gern
2.2. Stabreim
- germanische Stabreimdichtung erhob die Alliteration zum Versbauprinzip, denn in ihr mußten jeweils drei der vier betonten Stammsilben (Stäbe) eines Verses alliterieren
- drei von vier betonten Stammsilben einer Zeile begannen mit dem gleichen Laut
- z.B. prunkvoll prahlt der prangene Bau!
3. Einteilung nach phonologisch/ morphologischer Struktur
3.1. reiner Reim
- alle Laute vom letzten Vokal an stimmen überein
- z.B. Welt / hält
3.2. unreiner Reim
- nicht alle Laute vom letzten Vokal an stimmen genau überein
- Kombinationen:
- langer und kurzer Vokale: ruft / Luft
- Vokale und Umlaute: Liebe / trübe
- verschiedene Diphthonge: reichen /keuchen
- Wechsel von harten und weichen Konsonanten: melden / gelten
- Wechsel von stimmhaften und stimmlosen Lauten: rasen / saßen
- Dialektische Unterscheidung, z.B. in Paarung von g/ch: lag / brach
3.3. erweiterter Reim
- Laute stimmen noch vor letztem betonten Vokal überein, gehen über ein Wort hinaus
- z.B. blasen / lasen
3.3.1. identischer Reim
- Reimwort ist in beiden Versen das selbe
3.3.2. grammatischer Reim
- verschiedene Wörter des selben Wortstamms oder Flexionsformen des selben Wortes reimen miteinander
- z.B. ich leit' / Geleit
geht / gegangen
3.3.3. rührender Reim
- besonders auffällige Übereinstimmung der Reime
- Reimwörter weiblich schließender Verse enden meist mit schwachtoniger Silbe, weibliche Reime mit einem Vollvokal in der letzten Silbe fallen deshalb schon auf
- z.B. Múnd weit / Gesundheit
licht war / sichtbar
- als rührende Reime gelten auch solche mit gleicher Konsonanz schon vor dem Tonvokal
- z.B. schwirrt es / wird es
- Gleichklänge in der vorausgehenden Senkung
- z.B. ich male / finale
3.3.4. reicher Reim
- mehrsilbige Reime
- Reime auf zwei vollvokalische Reimsilben
- z.B. Wahrheit / Klarheit
3.3.5. doppelter Reim
- vorausgehende Hebung wird im Reim mit einbezogen, es entsteht ein doppelter Reim mit zwei Betonungen
- z.B.männlich X x X: óhne Wéhn / vón Alléen
weiblich X x X x: méine tráuer / kléine dáuer
3.4. gebrochener Reim
- verstärkte Form des Enjambements
- benutzt eine im Wortinnern stehende Silbe zur Reimbildung
- z.B. Hans Sachs ist ein Schuh-/ macher und Poet dazu
3.5. gespaltener Reim
- Reim ist auf zwei Wörter verteilt
- z.B. fein sind : gemein sind
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